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Finance 2.0

Kommt das Ende der Vollbanken?

(c) Kurt F. Domnik/pixelio.deCNN hat letztens sehr provokativ formuliert: „Yes, you can dump your bank“, die These hier ist, dass man eigentlich keine Bank mehr braucht. So bieten in den USA auch Broker-Firmen eine kostenlose Kontenführung mit Kreditkarte an, für Kredite gibt es „Credit Unions“ (Kreditvereine) und zum Sparen gibt es inzwischen ebenfalls Firmen, die eine Form von Sparkonto anbieten. Die für Kunden wichtigsten Dienste einer Bank sind somit auch außerhalb der klassischen Banken erhältlich. Das es sich dabei teilweise auch um Finanzunternehmen (z.B. Broker) handelt ist dabei relativ egal, interessant ist vor allem der Gedanke, dass man hier keinen zentralen Anbieter mehr hat, sondern sich die Dienste da sucht, wo man sie am besten für sich findet. Ganz neu ist das nicht, auch in Deutschland gibt es immer mehr Kunden, die bei mehreren Banken Kunden sind, bei der einen gibt es bessere Tagesgeldkonditionen, bei der anderen gibt es gute Rabatte auf Fonds und die nächste hat gute Kreditkonditionen.

Neu ist hingegen, dass man auch außerhalb der klassischen Banken solche Dienste findet und diese stärker in den Markt drängen, zumindest in den amerikanischen. Ist damit das Ende der Banken gekommen? Nein, die Konkurrenz wird nur größer und die Banken müssen im Zweifelsfall neue attraktive Angebote finden, um Kunden zu halten oder zu akquirieren.

Übrigens stellt sich die Situation in Europa und den USA sehr unterschiedlich dar, in Europa sind die Regularien und Zulassungsbedingungen deutlich schwieriger zu erfüllen. Aktuell konnte man das daran sehen, dass selbst ein Internetdienst für die Bestellung bei Pizza-Lieferdiensten eine Lizenz bei der BAFin beantragen muss, wenn es wie ein Zentralregulierer, die Zahlungsabwicklung übernimmt. Wenn sich Banken also über die zunehmende Regulierung beschweren, sollten sie sich auch darüber klar sein, dass diese Regulierungen den Markt auch abschotten gegen neue Angebote.

Die Frage ist aber schon, ob diese Regulierungen die Banken langfristig schützen können. Ein Dienst wie PayPal hat schon längste eine Banklizenz und drängt immer stärker in den Retail-Bereich ein, bis zu einer Vollbank ist es nicht mehr weit.

Aber auch eine andere Vision kommt immer näher. IBM hat in seiner aktuellen 5in5 Studie einen Trend zu digitalen Assistenten ausgemacht, die im Hintergrund für uns unser Leben organisieren. Was spricht gegen einen Dienst, der immer nach den neuesten besten Finanzangeboten sucht und im Hintergrund einfach mal Geld zwischen Konten hin- und herschiebt? Wenn ich mein Konto überziehe, dann wird halt automatisch von einem Rahmenkredit bei einer anderen Bank mit günstigeren Konditionen das Geld überwiesen und ich spare Kreditzinsen. Ebenso könnte jede Zahlung mit meines Debitkarte automatisch durch eine Überweisung von meinem Tagesgeldkonto gedeckt werden, auf dem Girokonto befinden sich dann immer nur ein paar Euro und jeder überschüssige Euro wird immer automatisch auf das Tagesgeldkonto geschoben.

Banken werden dann sehr viel stärker in einen Wettbewerb um Kundengelder oder Kredite kommen, und wer hier sich nicht jetzt bereits darauf vorbereitet, der wird wohl in Zukunft einen schweren Stand haben.

(Bild: Gerd Altmann/pixelio.de)

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